Was eine unbesetzte Pflegestelle wirklich kostet
Vakanzkosten, Leiharbeit, Überstunden: die echten Zahlen hinter einer offenen Stelle, mit Quellen, die einer Prüfung standhalten.
Die Vakanzzeit ist kein vorübergehendes Problem
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlicht regelmäßig Analysen zu Fachkräfteengpässen. In der Altenpflege gehören Pflegefachkräfte seit Jahren zu den Berufsgruppen mit den längsten Vakanzzeiten. Aktuell liegt die durchschnittliche Zeit bis zur Besetzung einer offenen Stelle bei über 160 Tagen – und das ist der bundesweite Durchschnitt. In strukturschwachen Regionen bleibt eine Stelle deutlich länger offen.
Vakanzzeiten in der Altenpflege: durchschnittlich 160–200+ Tage (je nach Region und Quartal). Eigene Stellen oft länger als der Durchschnitt, weil kleinere Einrichtungen weniger Sichtbarkeit haben.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse, aktuelle JahresausgabenWas während dieser Zeit tatsächlich passiert
Solange eine Pflegestelle nicht besetzt ist, greifen Einrichtungen typischerweise auf drei Lösungen zurück, die alle mit Kosten verbunden sind:
- Leiharbeit (Zeitarbeit): Zeitarbeitskräfte in der Pflege kosten den Arbeitgeber deutlich mehr als Festangestellte. Neben dem Grundlohn kommen die Marge des Zeitarbeitsunternehmens sowie ggf. Zuschläge für Kurzfristigkeit. In der Praxis liegt der Aufwand je nach Einrichtung und Vertrag merklich über dem einer vergleichbaren Festanstellung.
- Überstunden des bestehenden Teams: Überstundenprämien belasten das Budget direkt. Dazu kommen indirekte Effekte: höhere Fehlzeitenquoten durch Überbelastung, langfristig erhöhtes Fluktuationsrisiko bei Stammkräften.
- Reduzierung der Belegung: Was sich nicht auf einer Kostenzeile zeigt, aber wirtschaftlich stark schmerzt: Wenn nicht genug Personal vorhanden ist, können Plätze nicht belegt werden. Entgangener Umsatz durch nicht-belegbare Plätze ist in keiner Kostenkalkulation sichtbar, aber real.
Der Multiplikatoreffekt: wenn eine Stelle zwei kostet
Eine offene Stelle treibt die Kosten auf mehreren Wegen gleichzeitig. Es gibt nicht nur die Kosten der Vakanz selbst, sondern auch die Kosten ihrer Konsequenzen: Überlastete Stammpflegekräfte kündigen häufiger. Wenn aus einer offenen Stelle zwei werden, verdoppelt sich nicht nur das Problem, sondern häufig auch der Druck, auf teure Leiharbeit zurückzugreifen.
Vereinfachte Kostenstruktur: 6 Monate Vakanz
Was das für die Entscheidung bedeutet
Die Frage ist nicht, ob internationale Fachkräfte Geld kosten. Die Frage ist, was die Alternative kostet. Eine durchgängige Vakanz über sechs bis zwölf Monate schlägt mit einem Betrag zu Buche, der in den meisten Fällen deutlich über den einmaligen Rekrutierungskosten liegt.
Entscheidend ist dabei die Qualität des Angebots: Fachkräfte, die mit abgeschlossener Anerkennung einreisen, können sofort als Fachkraft eingesetzt werden. Fachkräfte, die nach der Einreise noch einen Anerkennungsweg durchlaufen müssen, zählen in der Zwischenzeit nur als Assistenzkräfte. Das hat direkte Auswirkungen auf die Fachkraftquote und die Abrechnungsmöglichkeiten.
Mehr dazu in unserem Beitrag: Warum der Einreisezeitpunkt über die Kosten entscheidet →
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